Katze an den Tasten

Rhoda Scott jazzt im Hof mit "Ladies NYGHT"

Vom 02.08.2004
 
bär. Was gibt es Schöneres, als am Sonntagmorgen um elf den Weg in den Hof des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst anzutreten. Wogenden Tritts, wie die Virtuosin an der Hammond-B3, wenn sie ihre bloßen Füße über die Tiefen des Souls gleiten lässt, pilgert die Jazzgemeinde zu Rhoda Scott. Nachdem die Blues-Lady im vergangenen Jahr zum 15-jährigen Jubiläum mit Barbara Dennerlein ein Orgel-Duett bestritt, trifft Scott beim diesjährigen Jazz im Hof auf Ladies NYGHT.

Ehe also die Lady mit dem Whoopy Goldberg-Lächeln auf das Gaspedal tritt, hallt erst einmal der Dreiklang der Ladies über den reichlich mit Jazzfreunden gefüllten Hof. Die Sängerinnen Elke Diepenbeck, Barbara Leah Meyer und Nanni Byl, deren Arrangements sowohl dem Zusammenklang als auch dem Feature der Solostimmen Rechnung tragen, nehmen die Jazzfans mit auf einen Kurztrip nach "Sansibar", "on top of the roof" und lehren sie ob der beschwingenden Aufwinde das Fliegen. Zu den Ladies gehören auch drei Begleiter: Rolf Breyer, der die tiefen Saiten zum Schwingen bringt, Reiner Dettling am Schlagzeug und Gulf Schmidt an der Gitarre.

Mit professioneller Leichtigkeit beginnt der Morgen der Ladies mit verspielten "Doodle"-Sounds, jenen klanglich in die Luft gemalten "Kritzeleien", die eben nur Könner zu wahren Kunstwerken zu machen beherrschen. Der Scat-Gesang der drei Solistinnen vollbrachte es. Dem einzigartigen Duke im 100. Jahr seines Geburtstags huldigend, beschlossen Ladies NYGHT ihr Set mit einem Ellington-Medley.

Dann durchströmte die Jazztunes eine lächelnde Wärme, eine südliche, schwarze, die sich nicht aus der Banalität des Spaßes speist, sondern ihre Basis in der Fülle und Schwere des Lebens hat und viele Oktaven umfasst. Mal tänzelnd nur mit den Füßen die Pedale bedienend, dann wieder wie eine Raubkatze über die Manuale streifend und alles aus der Hammond-Orgel kratzend, sorgte Rhoda Scott für das echte Blues-Feeling.

 

 
Bremer Nachrichten/Die Norddeutsche - 16.12.2003

Die knisternde Erotik singender Weihnachtsfrauen


„Ladies NYGHT“ machen sich ’nen Schlitz ins Kleid und verzaubern mit ihrer Show das Publikum im KITO


Von unserem Mitarbeiter
Alexander Bösch

Vegesack. Mit Lametta umwickelt sind die Mikrofone. Silbern und lila glänzen die festlich dekorierten Notenständer. Da schweben plötzlich drei singende Engel in purpurnen Weihnachtsmänteln herein, verwandeln „Ladies NYGHT“, den alten Fetenkracher von Kool and the Gang, im Handumdrehen in „Yes, it’s Christmas night“, und sofort kracht es vorweihnachtlich unter dem anheimelnden Gebälk des KITO.
Die drei Weihnachtsfrauen, die da am Sonnabend die „Freunde des gepflegten Jazz“ an der Alten Hafenstraße willkommen heißen, sind Nanni Byl, Elke Diepenbeck und Barbara Leah Meyer. Letztere seit gut zwei Jahrzehnten eine feste Größe der kanadischen Jazzszene.
In verführerisch glitzernder Weihnachtsoptik mit roten Stöckelschuhen und obligatorischem Schlitz im Kleid führen die attraktiven Nikoläusinnen durch ein Programm jazzig-soulig bearbeiteter Weihnachtsstandards. Das reicht von „Santa Claus is coming to town“ und „Winter Wonderland“ bis hin zu höchst eigenwilligen Versionen von „Silent Night“ und des „Little Drummer Boys“.
Mal einschmeichelnd mit harmonisch-mehrstimmigem Gesang, mal in bewusst schrillem Diskant, garniert die 1995 in Wiesbaden gegründete Gruppe ihr abwechslungsreiches Programm mit kleinen einstudierten Cha-Cha-Cha-Schritten und liebenswerten Gimmicks.
Amüsant, wenn sich etwa Elke Diepenbeck – die der jungen Barbra Streisand verblüffend ähnlich sieht – plötzlich mittels roter Nase und braunem Frotteeanzug in das Rentier Rudolpha verwandelt oder wenn die zu kleinen Engeln mutierten Ladies sich gegenseitig Kunstschnee über die Häupter streuen.
Klar, dass im Sinne einer Emanzipation mit umgekehrtem Vorzeichen auch die Männer – sprich die Herren Begleitmusiker – sich mal im Gesang versuchen dürfen. Ihr Versuch jedoch misslingt kläglich: Das „Feliz Navidad“ gerät ihnen denn doch gar zu holprig, und die Kulturbanausen werden von den Damen kurzerhand mit einer Schreckschusspistole von der Bühne geschossen.
Originell auch die weiteren spielerischen Einlagen: Da kommen „Ladies NYGHT“ mal im kleinen Schwarzen von einer vorweihnachtlichen Shoppingtour wieder und probieren mit kindlicher Freude ihre Geschenke aus. Da werden plötzlich Mini-Xylophone in Form kleiner Brotbrettchen „geklöppelt“; ja selbst ein Seitenhieb auf amerikanische Massenprediger bleibt nicht aus, wenn etwa der blinde „Reverend Gimmeallyourmoney“ alias Elke Diepenbeck in lila Kutte und schwarzer Afroperücke plötzlich die Bühne erklimmt und in wilden Gospeleinlagen Geld „from the Bürgers of Vegesack“ erbettelt.
Nie aber driften die Damen ab in die Gaga-Gefilde alberner Weihnachtsparodien. Mit den gängigen Klischees der schönsten Jahreszeit dagegen wissen die drei versierten Jazz- und Latin-Musikerinnen recht ironisch zu spielen.
Nach einem reichlich elegischen australischen Weihnachtslied, das die Damen angeblich in einem mumifizierten Känguruh entdeckt hatten, und einer isländischen Hymne als Zugabe, geben die Weihnachtsfrauen den verzückt-erotisierten Besuchern noch einen ungewöhnlichen Tipp mit auf den Weg: „Falls noch Wünsche übrig sind, wünschen Sie sich doch einfach auf eine Sternschnuppe.“ Wie viele Besucher dieser Aufforderung nachkamen, ist nicht überliefert.

 

Die Nacht der drei Ladies

Vom 15.11.2003  

A. W. - Stimmgewalt, Charme und eine Prise Erotik bringen die drei Sängerinnen von "Ladies NYGHT" auf die Bühne des Frankfurter Hofs. Im langen Schwarzen mit obligatem Schlitz im Kleid sind Elke Diepenbeck, Nanni Byl und Barbara Leah Meyer perfekt aufeinander abgestimmt.

Begleitet von Gitarre(Gulf Schmidt), Bass (Rolf Breyer) und Schlagzeug (Rainer Dettling) präsentieren sie ihr breitgefächertes Programm. Es ist mitreißend, mal laut, mal leise sind die Töne, melancholisch die Ausflüge auf den musikalischen "Schrottplatz der Liebe". The Lady is a tramp und besonders schön singt sie, wenn sie traurig ist. Jazz und Swing mit funkigem Einschlag, melancholischer Blues, sinnlicher Latin und fetziger Soul begeistern die wenigen Zuschauer.

Eine Kostprobe aus dem Weihnachtsprogramm der Formation gibt es zudem. Ein bisschen von allem und das gekonnt professionell präsentiert. Duke Ellingtons wunderbarer Jazz und Cool and the Gangs Funk klingen nach beim Verlassen der Nacht der Ladys.

 

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15.11.2003

Drei Damen gegen Depression

"Ladies NYGHT" servieren im Frankfurter Hof ein swingendes Heilmittel

MAINZ. Das war jetzt genau das Richtige: Mit geballter Frauenpower gegen die langsam einsetzende Winterdepression. Das Heilmittel gegen Trübsal und Leid heißt "Ladies NYGHT" und hat eine eigentlich ungeheuer simple Rezeptur: Man nehme drei Sängerinnen, füge Schlagzeug, Bass und Gitarre hinzu und lasse das fertige Sextett auf Blues, Swing und Latin los. Aber Vorsicht - die Suchtgefahr ist groß! Wenn die drei Ladies erst einmal so richtig loslegen - und das tun sie im Frankfurter Hof von der ersten Minute an - gibt es kein Entkommen mehr.

Nicht, dass irgend jemand auf die Idee gekommen wäre, zu entfliehen: Selbst hartgesottene Pessimisten hätten hier einen Lichtblick entdecken können. Denn eine Welt, in der es solche Musikerinnen und solche Musik gibt, kann nicht ganz schlecht sein. Nur hätten sie dafür erst einmal kommen müssen. Das überschaubare Publikum machte nämlich nicht den Eindruck, als hätte es diese Medizin gegen graue Gedanken nötig gehabt. Aber egal, "Ladies NYGHT" ist in jeder Stimmung ein Genuss. Die drei Sängerinnen um Nanni Byl machen schließlich kein vordergründiges Partygedudel, sondern überaus lebendige, wunderschöne Musik.

Obwohl sie weitgehend konventionelle Songstrukturen nutzen und ihre raffinierten Arrangements schlicht und unprätentiös daherkommen, verleihen diese Frauen den alten Songs eine Frische, die unerhört scheint. Und das liegt nicht nur an ihrer Ausstrahlung, dem überbordenden Charme und der unbändigen Freude an ihrer eigenen Musik, sondern in erster Linie an der Verbindung aus emotionaler Intensität und ungezwungener Natürlichkeit ihres Gesangs. Ob nun Elke Diepenbeck vom "Schrottplatz der Liebe" schwärmt, ob Barbara Leah Meyer von der Flucht über den Fluss träumt oder Nanni Byl beim Scatten fast ausflippt - jede Einzelne der drei erfüllt ihre Aufgabe mit zweihundertprozentigem Einsatz und ebenso großer Perfektion. Und das, obwohl die Rollen ständig wechseln: Festlegen lässt sich keine der Sängerinnen, ihre Vielseitigkeit ist ihr Merkmal.

Bei soviel Frauenpower darf zwar manche Kollegin vor Neid erblassen und mancher Mann Angst um seine Überlegenheit bekommen, doch keine Angst: Auch Ladies NYGHT verzichtet nicht ganz auf die Herren. Die sorgen nämlich für die instrumentale Begleitung, die man eigentlich nicht Begleitung nennen darf. Denn auch diese drei platzen vor Vitalität und können ihre Lust am Spielen kaum verhehlen. Zusammen gibt das dann einen hoch explosiven Mix, der wirklich jeder schlechten Laune den Garaus macht.

Matthias Mader

 


Santa Clause auch aus Japan   -   
Ein Weihnachtslieder-Medley: „Ladies NYGHT“ in den Kammerspielen

 
Vom 24.12.2002  
joe – „Ladies NYGHT“ sind Jazz, Blues, Soul, Rock, Latin. „Ladies NYGHT“ sind Nanni Byl, Elke Diepenbeck und Amy Zahedi. „Ladies NYGHT“ sind nicht nur großartige Sängerinnen. Die drei sind Entertainment pur. „XX' mas NYGHT“ hieß ihr Weihnachtsliederprogramm von Michael Jackson und Südtiroler Jodler bis zu Georg Friedrich Händel.


Die drei aus dem Singerland: Elke Diepenbeck, Nanni Byl und Amy Zahedi (v. links).
Bild: hbz/Schäfer

Was sich nach einer Tour de force unvereinbarer Stilrichtungen anhört, wurde in den Mainzer Kammerspielen dank der Arrangements und der vergnüglichen Show zu einem Genuss für Ohren und Augen.

Hinter ihren glänzenden Frontfrauen, Amy Zahedi war leider zum letzten Mal mit dabei, haben es die drei „Knechte“ natürlich schwer. Dabei wirkt alles, was Gulf Schmid an der Gitarre, Rolf Breyer am Bass und Schlagzeuger Rainer Dettling anpacken, so mühelos souverän, dass man glatt vergessen könnte, wie viel Arbeit und Einfühlungsvermögen dahinter stecken, bis sich dieses perfekte Zusammenspiel einstellt.

Opener war ein solide swingender „Santa Clause is coming to town.” Ein eben mal so eingestreutes Weihnachtslieder-Medley ließ nur den Wunsch offen, die Lieder in ganzer Länge zu hören. „Beautiful Star of Bethlehem“ geriet mit Hilfe des Publikums zum fröhlichen Cajun-Schunkler mit eigener Zugabe. Schluss mit lustig war es, als mit „Lully lulla“, einem australischen Traditional, ein trauriges Lied angekündigt wurde, und das Ergebnis dürfte wirklich das Allerherzzerreißendste gewesen sein, das jemals zu Gehör gebracht wurde. Zum Glück hielt danach „Blind Reverend Diepenbeck“ als beseelter Verkünder des wahren Glaubens seinen Einzug. „God is moving“, ursprünglich ein Gospel von Sandra Crouch, verwandelten Elke Diepenbeck mit angeschwärzter Stimme und die Resttruppe in einen brodelnden Vulkan in bester James Brown-Manier. Die „Harlem-Show“ war perfekt, als es das Kammerspiele-Publikum nicht mehr auf den Sitzen hielt.

Klar, danach konnte es in dieser Richtung keine Steigerung mehr geben. Die packten „Ladies NYGHT“ dann mit dem in japanischer Sprache - keine Parodie - gesungenen „White Christmas.“ Und zum Schluss noch ein offener Wunsch auf dem Wunschzettel: Warum könnte nicht die Ladies NYGHT-Weihnachts-CD wiederaufgelegt werden, damit das Warten auf die nächste „XX' mas NYGHT“ nicht so lange wird?

 

So wenig wie die Bezeichnung "Vokaltrio" der Darbietung gerecht wird, so wenig greifen auch andere gängige Beschreibungen für diese Art von Ladypower. Hier haben sich sechs Akteure gefunden, die vor Einfallsreichtum sprühen und die neue Wege jazziger Unterhaltung weisen. 

(Darmstädter Echo)

Ein Spiel der Gefühle, untermalt mit feurigen brasilianischen Rhythmen und der überzeugenden Darstellung einer ausdrucksstarken Gestik und Mimik. Die Ladies überzeugten mit dem Repertoire ihrer Gesangsleistung. Und Gulf Schmidt,
Rolf Breyer sowie Rainer Dettling sorgten für eine packende Begleitung, bei der auch phantastische Soloeinlagen nicht zu kurz kamen.

(WZ)

A capella singend schreiten die drei von der Klangstelle in den Saal. Mit hinreißend dargebotenem Swing, Bebop, Funk und wundervoll fetzigem südamerikanischen Feeling heizt die Ladypower hoch drei mächtig ein, inspiriert sich gegenseitig bei den wechselnden Soli. 

(Wiesbadener Tagblatt)

Sympathischer Genuß für Ohren und Augen ist neben aller Attraktivität und lustvoll kredenztem Können das Fehlen jeglicher
Konkurrenz... 

(Wiesbadener Tagblatt)

Einmalig ist auch das musikalische Repertoire, das "Ladies Night" zu bieten hat. Am Samstag entrollten die jungen Damen ihren aus verschiedenen musikalischen Stilrichtungen gewebten Klangteppich, der längst zum Markenzeichen des Trios "Feminal" geworden ist. 

(Aar-Bote)

  • Kritik des Auftritts vom 03.09.2010 in Kaiserlautern bei "Jazztime in K'Town". Zum Öffnen des PDF bitte hier klicken.
  • Klicken Sie hier für eine Kritik des US Musik-Magazins Cadence zu unserer
    CD "How To Fly" im PDF Format.